KI • Aspire • Azure • Open Telemetry

Microsoft Build 2024 aus Sicht eines SDX DEV eXperts

5. Juni 2024

Die Microsoft Build 2024 ist vorbei und lässt sich mit einem Schlagwort zusammenfassen: KI!

Nichtsdestotrotz, es gab auch die klassischen Themen …

Die Keynote zur Eröffnung wurde von Satya Nadella gehalten, und er machte in über 2-Stunden keinen Hehl daraus, wohin der Zug bei Microsoft fährt: KI ist überall, es gab kein Thema, bei dem das Stichwort nicht gefallen wäre.

Die Botschaft ist klar. Und auch, dass wir als Entwickler die ersten sein werden, die von dieser Welle überrollt werden:

  • KI wird als Anforderung in bestehende Anwendungen Einzug halten,
  • sie wird neue Anwendungen ermöglichen,
  • sie wird die Art verändern, in der wir diese Anwendungen bauen
  • und wie wir sie im Rahmen von DevOps in Betrieb nehmen, betreiben und warten werden.
autor Alexander Jung

Alexander Jung

Chief eXpert Alexander.Jung@sdx-ag.de

„AI is transforming the world and developers are at the very center of this.“

Scott Guthrie

Aber auch wenn KI der sprichwörtliche Elefant im Raum ist; das sollte nicht davon ablenken, dass das im Rahmen von klassischer Entwicklung stattfinden wird. Diese hat – und wird auch in Zukunft – ihre Daseinsberechtigung haben. Selbst wenn sie durch KI verändert wird.

Ich habe einen Blick auf die Vorträge geworfen und dabei bewusst die Brille eines „klassischen Entwicklers“ aufgesetzt. Nicht zuletzt auch, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Themen Microsoft im Schatten von KI noch vorantreibt.

Tools

Der Vortrag “Developer experience improvements in Windows” widmet sich den ganz grundlegenden Dingen, wie Windows Subsystem for Linux (WSL), WinGet, Windows Terminal, Dev Home and PowerToys. Daneben gibt es detailliertere Vorträge zu WSL, Github Copilot, Microsoft Dev Box oder Visual Studio.

Es gibt zwar einen Vortrag „What’s new in C# 13“, aber insgesamt lag der Fokus ganz klar auf dem umgebenden Ökosystem, nicht den Grundlagen von .NET oder C#.


Es gab natürlich diverse Vorträge zu Github Copilot, Microsoft Copilot in Azure, Microsoft Copilot Studio, etc..
KI wird unsere Werkzeuge und damit unsere Arbeitsweise massiv verändern!

 

Windows Development

Je zwei oder drei Vorträge findet man zu den Themen WinForms, WPF, WinUI und MAUI. Beispiele:

Das mag für eine Entwickler-Konferenz von Microsoft wenig erscheinen, aber es ist mehr als ein Feigenblatt. Die gute Nachricht ist, dass in all diesen Bereichen investiert und weiterentwickelt wird. Es ist aber auch offensichtlich, dass es hier (vielleicht mit Ausnahme von MAUI) um Produktpflege geht, nicht mehr und nicht weniger.

Nebenbei: Deutlich mehr Beiträge finden sich zu Blazor.

Container/Azure/Services

Nicht unerwartet tut sich im Bereich der Backend-Entwicklung mehr, als bei der Windows-Entwicklung.

Man findet einige Vorträge zu Docker (Optimizing the Microsoft developer experience with Docker) und zu Kubernetes. Mit AKS Automatic hat Microsoft zudem ein neues Pferd im Stall: Introducing AKS Automatic: The easiest managed Kubernetes experience

Das für mich persönlich spannendste Thema: Microsoft stellt uns mit „.NET Aspire“ ein relativ neues Framework zur Verfügung:

.NET Aspire is an opinionated, cloud ready stack for building observable, production ready, distributed applications.
https://learn.microsoft.com/en-us/dotnet/aspire/get-started/aspire-overview

Vorträge dazu u.a.:

Das Repo von .NET Aspire geht auf Sept. 23 zurück, die Ankündigung auf Nov. 23. Das ist also noch kein Jahr alt, aber wenn man sich den aktuellen Stand anschaut, dann scheint es deutliche Fortschritte zu geben. Und dabei machen sie – meiner Meinung nach – vieles richtig.

 

Ein Bereich, den .NET Aspire out-of-the-box adressiert, ist Observability mit OpenTelemetry (OTel). Microsoft unterstützt OTel als Standard schon länger mit OpenTelemetry .NET. Allerdings stand das immer etwas in Konkurrenz zu ihren eigenen Technologien im Azure-Umfeld – die nominell vorhandene Integration war eher halbgar.

Das scheint sich aber gerade zu ändern; es sieht so aus, dass sie auch in Azure ganz klar Richtung OTel, Prometheus und Grafana marschieren, wobei Azure Monitor et al. aber erhalten bleiben. Einen Überblick gibt folgender Vortrag: Azure Monitor: Observability from code to cloud. Und ganz neben bei wird irgendwo erwähnt, dass sie jetzt auch Azure Managed Grafana zur Verfügung stellen.

Zum Schluss sei noch auf den Vortrag Unleash the Potential of APIs with Azure API Management hingewiesen. Die erste Hälfte gibt einen Einblick in Azure API Management (APIM) und stellt – natürlich – Azure-OpenAI-spezifische Themen vor, etwa Limitierungen auf Basis von Tokens. Die zweite Hälfte geht auf das neue „Azure API Center“ ein, das sich um “API governance and discoverability” kümmert, also eine Stufe oberhalb vom APIM anzusiedeln ist.

Und sonst noch so?

Ich habe mir die Bereiche „Data & Analytics“, „Low Code“, „Security“ und „Other“ nicht weiter angeschaut. Ein Blick in die Liste der Sessions zeigt aber: Auch hier tauchen sehr oft die Begriffe „AI“ und „Copilot“ auf.

Das bestätigt den Trend.

Fazit

Die Botschaft dieser Build ist eindeutig: Alles ordnet sich dem Thema KI unter, alles tritt in dessen Schatten. Auch die KI-freien Themen, die ich gefunden habe, sind bei genauerem Hinsehen notwendige Grundlagen für die Bereitstellung und Nutzung von KI-Funktionalitäten.

KI wird die Welt der IT radikal verändern. Microsoft will hier ganz vorne mitspielen, und die Build 2024 war nichts anderes als der Weckruf für uns Entwickler, dabei mitzumachen.

 

Geschrieben ohne KI-Unterstützung 😉