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„Microsoft Project Siena“ – Was es ist, was es werden könnte, und wo die Grenzen liegen.

01.06.201508:00 Uhr , Alexander Jung

„Microsoft Project Siena“ wird derzeit etwas von Microsoft gehype’t: Beiträge in einschlägigen Blogs, Webcasts im Microsoft Partner Network und Kurse bei der Microsoft Virtual Academy.

Grund genug, sich das mal anzuschauen….

 

 

Laut Soma ist Siena eine Anwendung mit folgendem Zweck:

„Enabling business users to create apps connected to enterprise services, web and social”

Holger Sirtl legt den Schwerpunkt etwas anders:

„Du kennst Dich passabel mit Excel und PowerPoint aus und nutzt täglich ein Windows 8 Device? Prima, dann hast Du bereits alles, was es braucht, eigene Windows 8 Apps zu entwickeln. Ob für Marketing-Zwecke, Device Demos, Event Promotion, App Prototyping – Projekt Siena macht’s möglich.“

MJF geht eher auf die Features ein:

„[…] yet another tool to help non-professional progammers to build Windows apps.

According to the description, Siena’s main target audience is "business experts, business analysts, consultants and other app imagineers."

Examples of the kinds of Metro-Style/Windows Store/modern apps that can be built using Siena include apps for navigating "media-rich product catalogs," apps for resolving customer-service issues, and apps that make use of photos, videos, pen and voice notes, tied back in to an "asset database."

"Siena works well with corporate and web data and media content: SharePoint lists, Excel and Azure tables, RSS feeds and the gamut of RESTful services," Microsoft’s app-description notes.”

Die Bandbreite zwischen “media-rich product catalogs“ und „apps connected to enterprise services, web and social” ist dabei vergleichsweise groß. Es ist schon ein Unterschied, ob ich „lediglich“ Daten anzeige – egal ob statisch vorhanden oder von irgendwelchen öffentlichen Services geliefert – oder ob ich mich in ein Unternehmensnetz einklinke und dabei Dinge wie Authentifizierung, Anwendungsberechtigungen und womöglich schreibende Zugriffe abdecken muss.

Auch unabhängig davon liegt die Messlatte recht hoch, wenn „business users“ und „non-professional progammers“, respektive „business experts, business analysts, consultants and other app imagineers" in die Lage versetzt werden sollen Windows Store Apps zu bauen. Mir schießen dabei jedenfalls Bilder von Access-Ungetümen und augenkrebsverursachenden Excel-Anwendung ins Gedächtnis…

 

Aber zu den Fakten…

Siena – das ist ein Code-Name, keine offizielle Produktbezeichnung – ist derzeit (12/2014) in der Entwicklung und als Beta-Version 3 verfügbar. Es handelt sich um eine Store App die frei bezogen werden kann.

Aufgrund des Entwicklungsstandes, der sicher nicht Feature-Complete ist, ist bei der Betrachtung zu unterscheiden, was noch nicht geht, und was voraussichtlich auch absehbar nicht gehen wird.

Was Siena kann…

Siena ist kurz zusammengefasst ein Tool um Daten – einschließlich Multimediainhalte – flexibel in einer Windows 8 Store App aufzubereiten und anzuzeigen. Maskenabläufe und Datenbindungen lassen sich sehr flexibel bearbeiten; es stehen Komponenten zur Verfügung um Listen oder Diagramme anzuzeigen, Web-Dienste (wie Bing Translator) aufzurufen, oder Integration in soziale Netzwerke zu bewerkstelligen.

Eine an Excel angelehnte Syntax beim Zugriff auf die Daten erlaubt dabei sehr weitgehende Möglichkeiten bei der Auswahl oder der Berechnung von Daten.

Die verfügbaren Beispielanwendungen zeigen die Möglichkeiten recht gut auf:

siena_demo

Gerade im Bereich der Datenquellen ist Siena dabei recht flexibel:

siena_datenquellen

Excel dient dabei der Bereitstellung von strukturierten statischen Daten in der Anwendung selbst, d.h. die Excel-Datei wird Teil der Anwendung. Über REST-Services, Azure Mobile Services etc. kann man aber auch Daten zur Laufzeit bereitstellen und dann natürlich nachträglich aktualisieren.

Tatsächlich war es damit in sehr kurzer Zeit möglich, einfache aber ansprechende Anwendungen zu gestalten. Ein News-Reader, der seine Informationen aus dem SDX-Portal per RSS holt:

siena_sdxnews

Oder eine grafische Auswertung von Arbeitszeiten gefiltert nach Auftrag, was dank der Excel-ähnlicher-Syntax (im Bild rechts) kein Problem ist:

siena_wtp

Um das zu realisieren musste ich allerdings die Daten nach Excel exportieren, ein Zugriff auf den REST-Service der Anwendung war wegen Einschränkungen bei der Möglichkeit der Authentifizierung nicht möglich.

Damit ist dann auch der Fokus von Siena klar umrissen: Daten flexibel und ansprechend aufzubereiten und anzuzeigen; kurz: das, was MJF mit "media-rich product catalogs" umschreibt. Die verfügbaren Beispielanwendungen belegen das ebenfalls.

Erstellen oder Bearbeiten von Daten, etwa Selektionen, einfache Eingaben, oder auch Bilder von der Kamera zuordnen, sind ebenfalls in Grenzen möglich. Allerdings verbleiben die Daten in der Anwendung – womit wir zu den Grenzen kommen…

 

Was noch(?) nicht geht…

Siena ist bzgl. der Datenquellen schon jetzt recht flexibel, allerdings ist das derzeit (mit wenigen Ausnahmen) auf einfache lesende Zugriffe beschränkt. Sobald beim Zugriff auf die Daten Authentifizierung ins Spiel kommt, wird die Unterstützung plötzlich sehr lückenhaft. Das größte Manko ist aber sicher, dass es – trotz rudimentärer Erfassungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten – so gut wie nicht möglich ist, Daten aus der Anwendung heraus zu speichern oder an einen Service zu übergeben. Mit diesen beiden Punkten steht und fällt aber der oben formulierte Anspruch „apps connected to enterprise services“.

Nur am Rande: Ein weiterer wichtiger Aspekt der momentan eher rudimentär umgesetzt ist, ist das Deployment. Das ist aber dem Beta-Stadium geschuldet, das Thema ist in Arbeit.

 

Und wo die Grenzen liegen…

Siena bringt Daten an die Oberfläche. Flexibel, ohne Umweg, ohne viel Aufhebens. Gerade das macht es für Fachanwender ja so interessant. Sobald aber die Anforderungen diesen Rahmen sprengen – z.B. durch komplexere Berechnungen, Bedarf an Offline-Fähigkeit, Transaktionssicherheit, komplexe Anwendungsberechtigungen, … – ist Siena – zumindest derzeit – konzeptionell überfordert. An diese Grenze stößt man bereits, wenn der Kunde nicht nur im Produktkatalog stöbern, sondern auch seine Bestellung absetzen soll; oder wenn der Servicemittarbeiter seine Ersatzteilauswahl als Bestellung mit SAP abgleichen muss.

Ein Punkt der mir ebenfalls nicht gefällt und der Holger Sirtls Idee bzgl. App Prototyping etwas in Frage stellt, ist die fehlende Unterstützung bei der Einhaltung von Windows Store App Design-Richtlinien. Weder bei der Platzierung von Elementen, noch bei der Auswahl von Farben oder Schriftgrößen wird der Anwender in irgendeiner Form unterstützt. Weitere Lücken gibt es z.B. bei der automatischen Anpassung der erstellten Anwendungen an Bildschirmgröße oder -ausrichtung.

 

Fazit

Im momentanen Zustand sind die Design-Möglichkeiten bereits recht ausgereift, ähnliches gilt für die Verfügbarkeit von Datenquellen. Damit lässt sich Siena zur Umsetzung von (im weitesten Sinne) „katalogartigen Anwendungen ohne Bestellmöglichkeit“ verwenden. Und das erstaunlich gut, wie eigene Gehversuche und die Beispiele von Microsoft belegen. Das macht Siena zu einem Werkzeug für interaktive Nachschlagewerke, Ersatzteilkataloge für Service-Mitarbeiter oder Firmenprospekte, aber auch für kleine Kampagnen-Anwendungen im Marketing.

Sollte es Microsoft gelingen, ähnlich gut die angesprochenen Enterprise-Anforderungen abzudecken, dann könnte Siena auch für anspruchsvollere Anforderungen interessanter werden, sowohl für Kunden als auch für Mitarbeiter. Eine Banking App zur Auswertung der Kontobewegungen, der schnelle Zugriff auf Vertriebsdaten, rudimentäre Zeiterfassung oder Buchung von Weiterbildungsmaßnahmen lassen sich prinzipiell ohne große Programmierkenntnisse realisieren – wenn die Anbindung sichergestellt ist. Die diversen im Einsatz befindlichen Access-Anwendungen und Excel-Sheet haben bewiesen, dass es Bedarf für eine solche Lösung gibt.

So gesehen müsste allerdings mancher IT-Verantwortliche Angst vor Siena haben, denn Access und Excel hatten in der Vergangenheit nicht unwesentlichen Anteil am Entstehen einer Schatten-IT….

 

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